Göttingen. Aktuelle Entwicklungen und innovative Ansätze zur Energiewende und insbesondere der Wasserstoffwirtschaft in der Region standen im Fokus des 3. Wasserstoff-Forum Südniedersachsen am 27. Mai. Die Wasserstoff‑Allianz Südniedersachsen (H2AS) der SüdniedersachsenStiftung und H2 Goslar – Das Wasserstoffnetzwerk im Landkreis Goslar der WiReGo richten die Informations‑ und Netzwerkveranstaltung seit 2024 gemeinsam aus; in diesem Jahr fand sie in den Räumlichkeiten der Stadtwerke Göttingen AG statt.
In seiner Keynote beleuchtete Dr. Axel Roggatz (CO3 Beratungsgesellschaft mbH) die Vorteile einer regionalen und lokalen Wasserstoffproduktion. Diese sei nach aktuellem Kenntnisstand auch ohne Anbindung an das bundesweite Wasserstoff-Kernnetz wirtschaftlich attraktiv – allerdings nur für einen kleinen Teil der Unternehmen relevant. Seine Einschätzung: Die Mehrheit der Betriebe wird auf andere Formen der Energieversorgung setzen. Für jene Unternehmen jedoch, die keine Alternativen zu Wasserstoff haben, wird eine verlässliche Versorgung zu einem entscheidenden Standortfaktor. Sein Appell für das Gelingen der Energiewende: „Elektrifizieren, Windkraft ausbauen, lokale Erzeugung starten. Denn solange alle auf Planungssicherheit warten, plant niemand.“
3. Wasserstoff-Forum Südniedersachsen bot verschiedene Sessions
Im Anschluss konnten die rund 70 Teilnehmer:innen beim 3. Wasserstoff-Forum Südniedersachsen erstmals zwischen mehreren Themensträngen wählen: Am Vormittag gab Prof. Dr. Andreas Reinhardt (TU Clausthal) einen Einblick in aktuelle und zukünftige Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz in der Energiebranche. Parallel dazu zeigte Patrick Siebenrock (Universität Göttingen) auf, welche Akteure die Energiewende in Südniedersachsen prägen und wie sie für die Umsetzung konkreter Transformationsprojekte aktiviert werden können.
Nach der Mittagspause erläuterten Pauline Führ (Hochschule Darmstadt) und Dr. Tobias Wätzel (BOREAS Energie GmbH) am Beispiel Bad Langensalza die rechtlichen und technischen Anforderungen an grünen Wasserstoff. Zeitgleich stellte Prof. Dr. Ute Brüseke (HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen) dar, warum Change Management in der Energiebranche unverzichtbar ist und diskutierte mit den Teilnehmer:innen, welche Faktoren eine erfolgreiche Transformation bestimmen.
Offene Mitgliederversammlung der Wasserstoff-Allianz Südniedersachsen
In der offenen Mitgliederversammlung der H2AS informierte Projektleiter Dr. Peter Oswald (SüdniedersachsenStiftung) im Rahmen des 3. Wasserstoff-Forum Südniedersachsen über die aktuellen Schwerpunkte der Allianz. Ein zentrales Vorhaben ist die Fördermittelsuche für einen 5‑MW‑Elektrolyseur im Nordosten Südniedersachsens, dessen grüner Wasserstoff künftig in der Chemieindustrie und der Logistik eingesetzt werden soll. Ein Konsortium aus Wirtschaft und Energieversorgung treibt das Projekt gemeinsam mit der SüdniedersachsenStiftung voran.
Darüber hinaus rücken derzeit mehrere Initiativen in den Fokus: ein Projekt zur intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in privaten Haushalten (Demand‑Side‑Management), ein Ansatz zur Entlastung des Stromnetzes durch die Umwandlung erneuerbarer Energien in Wasserstoff sowie Überlegungen zur länderübergreifenden Versorgung des Leinetals mit Wasserstoff.
Im Anschluss stellte Dr. Oswald den Stand des Projekts „Innovationsnetzwerk Wasserstoffwirtschaft für Südniedersachsen (InnoNetH2)“ vor, das seit 2025 durch das Land Niedersachsen über die Zukunftsregion Südniedersachsen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Im Rahmen des Projekts wurden bereits zahlreiche Transformationsgespräche mit Unternehmen in den Landkreisen Göttingen, Northeim, Goslar und Holzminden sowie der Stadt Göttingen geführt. Ziel ist es, konkrete Optionen zur Dekarbonisierung zu identifizieren und anschließend gezielt weiterzuentwickeln. Ergänzend entsteht ein systematisches Trendscouting, das unter anderem technologische Entwicklungen, regulatorische Rahmenbedingungen und neue Geschäftsmodelle erfasst.
Zum Abschluss des 3. Wasserstoff-Forum Südniedersachsen hatten die Teilnehmer:innen Gelegenheit, das BioWärmeZentrum der Stadtwerke Göttingen im Rahmen einer Führung kennenzulernen.


























