Der Weg von Ivette: Von Lehramt zur Berufsberatung
- Zwei Semester Deutsch und Biologie auf Lehramt an der Universität Göttingen
- Studienfachwechsel nach Beratungs- und Informationsgespräch bei der Studienberatung
- Nebenjob für Einkommen, neben Studium und Projektarbeit für das Studententheater
- Ausstieg aus dem Studium und Beratungsgespräch bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Göttingen
- Teilnahme an Infoveranstaltung für Studienabbrecher und Austausch mit Gleichgesinnten
- Ausbildungseinstieg bei der Agentur für Arbeit über duales Studienangebot
- Nach erfolgreichen Abschluss Einstieg als Berufsberaterin im Jobcenter Landkreis Northeim
Erfahrungen mit dem Netzwerk Neustart Voraus!
Mit 15 Jahren wollte ich immer Theaterpädagogin werden. Nach Gesprächen mit Familie und Freunden bin ich dann bei Deutsch und Biologie auf Lehramt gelandet und hab gedacht: Gut, ich werde Lehrerin und mache dann Theaterpädagogik zusätzlich. Zwei Semester später hat mir die Studienberatung einen Studienfachwechsel empfohlen, in der Hoffnung die Kombination Deutsch und Kunstgeschichte bereitet mir mehr Freude.
Nach weiteren Semestern, einem Nebenjob und meiner Projektarbeit im Studententheater habe ich mich entschlossen, die Universität zu verlassen und einen neuen Weg eingeschlagen. Ausgelöst wurde dieser Sinneswandel auch durch die Flüchtlingswelle 2015 und dem wachsenden Bedürfnis, Menschen in verzweifelten Situationen zu helfen und sie zu unterstützen.
Mein Weg führte mich zunächst zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit Göttingen. Hier habe ich mich zum ersten Mal damit auseinandergesetzt, was Arbeit für mich bedeutet und wo eigentlich meine Berufsziele liegen. Wir haben darüber gesprochen, dass mir die Arbeit mit Menschen gefällt, ich sehr zuverlässig arbeite und einen starken Gerechtigkeitssinn habe. Auf Empfehlung meines Beraters bin ich dann zu einer Infoveranstaltung für Studienabbrecher:innen gegangen. Ganz wohl war mir dabei nicht, denn ich hatte das Gefühl aufzugeben und machte mir plötzlich Vorwürfe!
Der Infoabend war tatsächlich super nett, viele positive Eindrücke und spannende Gespräche mit Menschen, denen es ähnlich ging. Zu meinem Glück war auch noch eine Studentin vor Ort, die das Dualstudium der Arbeitsagentur gemacht hat und die habe ich direkt ausgequetscht. Trotz abgelaufener Bewerbungsfrist habe ich mich am nächsten Tag an mein Motivationsschreiben gesetzt und alle Unterlagen fertig gemacht. Und es hat geklappt, ich durfte am Auswahlverfahren teilnehmen und am Ende mit dem Studium beginnen.
Nach erfolgreichem Abschluss habe ich dann die Zusage aus Südniedersachsen bekommen, als Berufsberaterin im Jobcenter im Landkreis Northeim einsteigen zu können.
Diese Position habe ich inzwischen seit einem Jahr und ich lerne noch immer. Der Job ist abwechslungsreich und die Verantwortung für andere hoch. Daher liebe ich auch mein Team, das mir immer aushilft. Ich würde am liebsten jede Woche einen Kuchen backen!
Wenn ich so auf meinen Weg zurückblicke, kann ich sagen, dass ich froh bin, immer in Bewegung gewesen zu sein. Meine Herangehensweise ist immer: Alles, was mach macht, richtig zu machen. Auch wenn es vielleicht nicht immer zielführend ist oder man auf halben Weg merkt, es geht so nicht weiter. Ich rate jedem, dem es ähnlich geht wie mir, sich bewusst zu machen, wo stehe ich gerade? Habe ich nur drei Klausuren nicht gepackt oder weiß ich gar nicht mehr, wie es weitergehen soll? Es ist nicht schlimm, sich Beratung zu holen und einen Neustart zu riskieren. Ich habe mein Studium sogar zweimal abgebrochen und trotzdem meinen Weg gefunden – von Lehramt zur Berufsberatung als Job.