In Vollzeit das Klima retten? Diese Klimaberufe machen es möglich

Ein Landwirt testet seine 5G-Drohne zum Klima retten.

In diesem Artikel

In Vollzeit das Klima retten – dafür müssen Sie nicht bei einer Umweltorganisation arbeiten. Auch als Fachkraft für Abwasser- oder Kältetechnik können Sie einen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Leider fehlen vielfach Arbeitskräfte in den Klimaberufen. Unsere Initiative „Hände für die Klimawende“ will dies ändern! 

Klima retten ist relevant 

Eine Studie der Europäischen Investitionsbank von 2022 macht deutlich, dass die Haltung des Arbeitgebers zum Klima, vor allem für Arbeitsmarkteinsteiger:innen, eine immer größere Rolle spielt. In der Gruppe der 20-29-Jährigen gaben sogar 81 Prozent an, bei der Jobwahl auf die Haltung des Arbeitgebers zum Klima zu achten. 

Aber wie lassen sich Gelderwerb und Klimaschutz in Einklang bringen? Um mehr Menschen für Klimaberufe zu begeistern, muss erst einmal klar sein, mit welchen Berufen Sie wirksam für das Klima sein können. Gar nicht so einfach, denn: Eine einheitliche Definition von „Klimaberuf“ gibt es nicht. 

Was sind Klimaberufe? Eine Annäherung 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft versteht unter „Grünen Berufen“ insgesamt 14 Ausbildungsberufe der Agrarwirtschaft. Die wohl bekanntesten Berufsgruppen sind dabei Landwirte. 

Auf globaler Ebene ist die Arbeitsdefinition des Umweltprogramms der Vereinten Nationen am gebräuchlichsten. Hier werden sie als Tätigkeiten definiert, die einen Beitrag zu Umwelt und Klimaschutz leisten und gleichzeitig menschliches Wohlergehen steigern und die soziale Gleichheit sicherstellen. Dies sind zum Beispiel Tätigkeiten in Landwirtschaft, Produktion, Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Dienstleistung, die wesentlich zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der Umweltqualität beitragen. 

Die Internationale Arbeitsorganisation bezeichnet Arbeitsplätze als grün, „wenn sie helfen, negative Umweltwirkungen zu reduzieren und zu ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften beitragen“. 

Klima retten: Südniedersachsen sucht mehr Hände für die Klimawende! 

Südniedersachsen hat sich aufgemacht, diese Definitionen regional zuzuschneiden. Damit wollen wir den Berufen, die im starken Zusammenhang mit dem Erreichen der Klimaschutzziele stehen, mehr Aufmerksamkeit und öffentliche Wertschätzung zukommen lassen. Zum anderen wollen wir damit den Zulauf auf offene Stellen der Betriebe unserer Region erhöhen, die für die Klimawende sowie die Erreichung von Klimaschutzzielen nötig sind. 

Als ländlich geprägte Region mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen befinden wir uns mitten im Transformationsprozess. Gegebenenfalls stehen wir sogar erst am Anfang. Was wir aber bereits wissen: Inhalte der beruflichen Tätigkeiten werden sich verändern und neue Berufe werden entstehen. Für Betriebe in Südniedersachsen bedeutet das beispielsweise die Veränderung ihrer bisherigen Haupttätigkeitsfelder und Arbeitsabläufe. 

Es braucht Menschen, die die gesetzlichen Regelungen zum Klimaschutz umsetzen und ihr persönliches Engagement für den Klimaschutz beruflich einbringen wollen. Denn: Mit einem klimarelevanten Beruf ist es möglich, sich tagtäglich mit dem Klimaschutz auseinanderzusetzen. 

Vier Berufsbereiche zum Klima retten

Mit unserer Fachkräfteinitiative für Klimaberufe definieren wir in Südniedersachsen vier Berufsbereiche. Damit erhoffen wir uns, ein regionales Verständnis für das Thema Klima und klimarelevante Tätigkeiten, eine größere Sichtbarkeit für jene Unternehmen, die solche anbieten, sowie einen besseren Zulauf auf diese Berufe zu erzielen. 

Landwirtschaft & Umwelt: Die „klassischen“ Umweltberufe 

Es handelt sich dabei in um Berufe, die hauptsächlich der Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse, wie Ernährung, dienen. Tätigkeiten werden in der Natur, mit den „Elementen“ oder in enger Verbindung zu Flora und Fauna ausgeübt. 

Beispiele für Klimaberufe im Bereich Landwirtschaft & Umwelt

  • Gärtner:in
  • Fachkräfte Agrarservice 
  • Fachkraft für Abwassertechnik 
  • Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik / Wasserwirtschaft / Wasserbau 
  • Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft 
  • Forstwirte 
  • Medizinische Technologen und Technologinnen für Veterinärmedizin 
  • Pflanzentechnologe/in 
  • Landwirtschaftlich-technische Assistenz 
  • Revierjäger:in 
  • Umweltschutztechnische Assistenz 
Ein Landwirt testet seine 5G-Drohne zum Klima retten.
Mobilität & Logistik: Keine Klimawende ohne Verkehrswende 

Durch die Unterstützung der Verkehrswende schaffen wir es, erneuerbare Energien sinnvoll im Alltag nutzen und unsere Verkehrsinfrastruktur und öffentliches Transportwesen klimaschonender und bedarfsgerecht anzupassen. Die zugehörigen Berufe fördern die Umsetzung gesetzlicher Bestimmungen und übernehmen die Instandsetzung und Wartung von Gerätschaften und entsprechender Infrastruktur. 

Beispiele für Klimaberufe im Bereich Mobilität & Logistik

  • Bauwerksmechaniker/-abdichter:in 
  • Beton- und Stahlbetonbauer:in 
  • Eisenbahner/innen im Betriebsdienst, Lokführer/in und Transport 
  • Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice 
  • Kaufleute im Luft-/Eisenbahn- und Straßenverkehr, Verkehrsservice 
  • Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung 
  • Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in
  • Konstruktionsmechaniker:n 
  • Land-/Baumaschinen-/Kraftfahrzeugmechatroniker:in
Ein Logistiker fährt Gabelstapler.
Produktion & Handwerk: Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Klimaschutzmaßnahmen 

Menschen in diesen Berufen führen alle handwerklichen oder industriellen Arbeiten aus, die für die Umsetzung derzeitiger Maßnahmen notwendig sind. Sie sind daher von zentraler Bedeutung. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele der regionalen Betriebe in diesen Bereichen tätig sind: Vom kleinen SHK-Betrieb (Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk) bis hin zum Hidden Champion in der Verarbeitung werden sie alle für die Klimawende benötigt. 

Beispiele für Klimaberufe im Bereich Produktion & Handwerk:

  • Anlagenmechaniker:in
  • Behälter- und Apparatebauer:in 
  • Dachdecker:in 
  • Estrich-, Bodenleger:in 
  • (Industrie-) Elektroniker:in, -installateur:in, -mechaniker:in (div. Fachrichtungen), Elektrotechnische Assistenz 
  • Fassadenmonteur:in 
  • Fachkraft für Metalltechnik
  • Feuerungs- und Schornsteinbauer:in 
  • Flachglastechnologe:inin, Glaser:in/Glasveredlung
  • Holzbearbeitungsmechaniker:in, Holz- und Bautenschützer:in, Tischlerei 
  • Klempner:in 
  • Mechatroniker:in für Kältetechnik 
  • Maler/in und Lackierer:in
  • Ofen- und Luftheizungsbauer:in 
  • Papier-, Packmitteltechnologe:in 
  • Straßenbauer/in, Asphaltbauer:in 
  • Tiefbaufacharbeiter:in, Brunnenbauer:in 
  • Verfahrenstechnologen, -mechaniker:in
  • Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer:in 
  • Zerspanungsmechaniker:in 
Job- und Weiterbildungsmesse "Durchstarten in Klimaberufen"
Management & Beratung: Konzeption, Anwendung und Prüfung 

Der Grundgedanke, der dieser Einteilung zugrunde liegt, ist dass die konzeptionelle Umsetzung von Forschungsergebnissen und Informationen über die gesetzlichen Vorgaben das Verständnis der Zivilbevölkerung für Klimaberufe und eben jene Personengruppen, die Klimamaßnahmen erarbeiten, empfehlen und planerisch umsetzen, fördert. 

Beispiele für Klimaberufe im Bereich Management & Beratung

  • Architekt:in, Assistent:in für Innenarchitektur 
  • Verwaltungsfachangestellte 
  • Baustoffprüfer:in, Bauzeichner:in 
  • Biologielaborant:in, biologisch-technische Assistenz 
  • Chemielaborant:in, chemisch-technische Assistenz 
  • Energiemanagement 
  • Fachkraft für Hygieneüberwachung 
  • Fachkräfte für Straßen- und Verkehrstechnik 
  • (Technische:r) Assistent:in für regenerative Energietechnik 
  • Raumausstatter:in 
  • Schornsteinfeger:in 
  • Technische Systemplaner:in, Zeichner:in
Job- und Weiterbildungsmesse "Durchstarten in Klimaberufen"

Netzwerken, unterstützen, fördern 

Die genannten Klimaberufe sind für unsere Region derzeit besonders relevant, da viele der hiesigen Betriebe in diesen Bereichen (vor allem Produktion & Handwerk) tätig sind. Die zugehörigen Ausbildungsberufe werden jedoch zunehmend weniger nachgefragt, offene Stellen bleiben unbesetzt. Und so sind einerseits Nachwuchs- und Fachkräftemangel, und schließlich Auftragsablehnung bis hin zu Betriebsschließungen die Folge. Andererseits sind jedoch die Auftragsbücher, insbesondere der kleineren Handwerksbetriebe so voll, dass das Personal erst aus- und dann überlastet wird. Dies ist auf nicht nur für die künftige wirtschaftliche Entwicklung bedenklich, sondern wird auch die Umsetzung von Klimaschutzzielen gefährden. Was können wir in Südniedersachsen tun? 

Mit unserer Fachkräfteinitiative für Klimaberufe in Südniedersachsen setzen wir hier an: Wir wollen die Bedarfe der Betriebe analysieren und Lücken in der Versorgung mit Fachkräften nachhaltig schließen. Dabei sprechen wir nicht nur die Betriebe, sondern auch potenzielle (insbesondere junge) Arbeitskräfte an und vernetzen relevante Arbeitsmarktakteure. Wir holen uns Feedback aus der Wirtschaft und setzen diese Hinweise praxisnah um. Außerdem interessiert uns die Sichtweise der Interessierten, die mit ihrem Job das Klima retten wollen: Welche Faktoren spielen für Sie eine zentrale Rolle? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen! 

Autorin: Laura Brünig, Erstveröffentlichung des Beitrags am 25.07.2024.

Unsere Expertin:
Laura Brünig kam nach dem Studium und beruflichen Stationen in Jena, München und Frankreich zurück in ihre Heimatstadt Göttingen. Warum gut ausgebildete Menschen Südniedersachsen zum Arbeiten verlassen, oder die Region gar nicht erst als möglichen Arbeits- und Wohnort in Betracht ziehen, beschäftigte sie daher auch persönlich seit Langem. Mehrere Jahre war sie bei der SüdniedersachsenStiftung Leiterin des Regionalen Fachkräftebündnis Südniedersachsen und konnte so bei der Ergründung und Beantwortung dieser Fragestellung sowie bei der Behebung der Ursachen unterstützen.
Ihre Ansprechperson
Dr. Benjamin W. Schulze
Blogbeiträge der SüdniedersachsenStiftung
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