Netzwerk Kinder forschen: Kurz nachgefragt bei Kevin Senhenn

In diesem Artikel

Das Netzwerk Kinder forschen in Südniedersachsen stärkt mit seinen Fortbildungen die frühe MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)-Bildung in Kita, Hort und Grundschule. Auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) spielt eine zentrale Rolle. Im Interview erzählt unser Bildungskoordinator Kevin Senhenn, wie die Angebote pädagogische Fach- und Lehrkräfte zum Forschen mit Kindern ermutigen.

Hallo Kevin. Warum sind wir heute hier?

Wir sind heute hier, weil wir eine Fortbildung vom Netzwerk Kinder forschen zum Thema Forschen mit Wasser haben. Und ich will zeigen, was das Netzwerk ausmacht.

Erzähl gerne mehr über das Netzwerk Kinder forschen.

Das Netzwerk gibt es seit 2007 und ist damit eins der ersten regionalen Netzwerke der bundesweit agierenden Stiftung Kinder forschen. Die Stiftung Kinder forschen und ihre mittlerweile rund 175 regionalen Netzwerkpartner setzen sich dafür ein, die frühe MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fördern. Mit unserem Netzwerk sind wir für die Region Südniedersachsen zuständig, sprich für die Landkreise Göttingen und Northeim sowie die Stadt Göttingen.

Für wen ist das gedacht?

Das Netzwerk ist für pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus Kita, Hort und Grundschule gedacht. Das ist ein wichtiges Merkmal, dass verschiedene Professionen in unseren Fortbildungen zusammenkommen und sich neben den Themen MINT und nachhaltige Entwicklung zu ihren Erfahrungen aus der Praxis und den jeweiligen Bildungsverständnissen austauschen können. Darüber hinaus bieten wir Fortbildungen für ganze Einrichtungsteams, aber auch für angehende Erzieher:innen an. Dabei geht es in unseren Fortbildungen immer darum, möglichst viel selbst auszuprobieren, voneinander zu lernen und Lust zu bekommen direkt am nächsten Tag loszulegen.

Was sind die wichtigsten Ziele vom Netzwerk Kinder forschen?

Die wichtigsten Ziele sind es, die MINT-Bildung und BNE zu fördern. Die Fachkräfte werden ermutigt, Aktionen zu diesen Themen in der Einrichtung durchzuführen und alltägliche Forschungsanlässe aufzugreifen – zum Beispiel ein Apfelbaum, der seine Äpfel abwirft. Hierzu bekommen sie in den Fortbildungen praktische Ideen zum Entdecken und Forschen. Es gilt, alte Erfahrungen von der Schule in Mathe oder Physik hinter sich zu lassen. Und sich zuzutrauen, das mit den Kindern zu machen, obwohl man nicht auf alles eine Antwort hat. Denn das gemeinsame Forschen stärkt nicht nur die Begeisterung für MINT-Themen, sondern fördert auch wichtige Zukunftskompetenzen wie zum Beispiel kritisches Denken, Kollaboration, Kreativität und Kommunikation.

Mit wem arbeitet ihr zusammen?

Wir arbeiten mit Grundschulen, Kitas, Horten, Kita-Trägern und Berufsbildenden Schulen (BBS) in Südniedersachsen zusammen. Gleichzeitig kooperieren wir mit verschiedenen außerschulischen Lernorten wie der Heinz-Sielmann-Stiftung, wo wir heute die Fortbildung geben. Wir versuchen immer unsere Angebote im Landkreis Göttingen, Landkreis Northeim und in der Stadt Göttingen zu streuen, dass alle Fachkräfte einmal an einer Fortbildung teilnehmen können. Hierzu haben wir viele weitere spannende Fortbildungsorte in der ganzen Region.

Gibt es noch weitere Angebote?

Von uns erhalten die Teilnehmenden nach einer Fortbildung Print-Material. Darin sind beispielsweise Forschungs- und Entdeckungskarten enthalten, mit denen sie direkt am nächsten Tag in ihrer Einrichtung weiterexperimentieren können. Wichtig ist uns hierbei, dass die Experimente mit Alltagsgegenständen durchgeführt werden können und keine großen Anschaffungskosten für die Einrichtungen entstehen.

Die Stiftung Kinder forschen zertifiziert Bildungseinrichtungen als „Haus, in dem Kinder forschen“. Grob gesagt müssen die Einrichtungen dafür an mehreren Fortbildungen teilgenommen haben und zeigen, dass MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung im Alltag gelebt wird. Hierzu füllen sie einen Online-Fragebogen aus und erhalten eine ausführliche Rückmeldung, damit sie ihre pädagogische Arbeit weiterentwickeln können. Das alles entscheidet am Ende über den Erfolg ihrer Bewerbung für die Zertifizierung.

Hast du einen Aha-Moment?

Es gibt viele, kleinere Aha-Momente. Zum Beispiel, wenn ich Kitas und Grundschulen besuche und sie Forschungsfeste feiern. Dann sehe ich, wieviel Spaß die Kinder dabei haben, zu experimentieren, zu entdecken und ihrer eigenen Neugier nachzugehen. Oder, wenn ich bei der Fortbildung merke, wie viel Spaß die Lehrkräfte dabei haben, selbst zu experimentieren und auszuprobieren. Wenn sie sagen, dass sie das gleich am nächsten Tag in ihrer Einrichtung umsetzen wollen, macht mir das besonders Freude. Der letzte große Aha-Moment war für mich, als eine Teilnehmerin bei einer Mathe-Fortbildung gesagt hat, sie würde sich trotz Dyskalkulie jetzt zutrauen, Mathe mit den Kindern durchzuführen.

Weiterhin viel Erfolg bei deiner Arbeit und vielen Dank für das Gespräch, Kevin!

Das Netzwerk Kinder forschen bringt MINT-Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung praxisnah in Kitas, Horte und Grundschulen in Südniedersachsen. Die Fortbildungen ermutigen pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei, mit Kindern zu forschen. Mehr über das Netzwerk erfahren Sie auf unserer Projektseite.

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Mehr Informationen
Unser Experte:
Kevin Sennhenn studierte Soziologie, Soziale Arbeit und Empirische Bildungsforschung in Kassel. Am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation sowie an der Universität Kassel wirkte er in Forschungsprojekten zu Ganztagsschule, Service-Learning, multiprofessioneller Kooperation und Inklusion mit. Nach seiner Tätigkeit als Bildungs- und Ehrenamtskoordinator in einer Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete ist er seit 2022 Bildungskoordinator in der Bildungsregion Südniedersachsen und Netzwerkkoordinator im Netzwerk Kinder forschen. Als Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis vernetzt er Bildungsakteure und fördert die frühe MINT-Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.
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