BLOG: Fachkräfte Südniedersachsen

#87 Initiative für Klimaberufe gestartet

 

veröffentlicht am 09.01.2024; Autor: Robert Panten

Studienaussteiger-Veranstaltung 26.1.2022

Zum 1. November 2023 startete das NBank-geförderte Projekt „Fachkräfteinitiative für Klimaberufen in Südniedersachsen“. Das Vorhaben will den hiesigen Arbeitsmarkt stärken und zur Erreichung von Klimaschutzzielen beitragen. Wir stellen die Initiative kurz vor.

Was wirklich fehlt!

Der jüngste Bericht des Weltklimarats (März 2023) fasst Ergebnisse tausender Klima-Studien zusammen und verdeutlicht, dass weiterhin zu wenige Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele umgesetzt werden. Im Wesentlichen sind klimaschädliche Emissionen zu senken, dass ist nichts Neues, ohnehin fehle es weder an Technologien noch an Wissen. Emissionen könnten erheblich gesenkt werden z.B. durch mehr Investitionen von Unternehmen in „grüne Technologien“, Aufforstung, Reduktion von Fleischkonsum, moderne Gebäudedämmung, Nutzung erneuerbarer Energien und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Viele dieser Maßnahmen setzen eine breite gesellschaftliche Partizipation voraus. Deutschlands Klimaschutzziele sind ambitioniert und erfordern ein unmittelbares Umdenken in Politik, Gesellschaft und auf den Arbeitsmärkten. Die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise droht indes durch Arbeitskräfteengpässe weiter an Geschwindigkeit zu verlieren. Rund 40 % des prognostizierten Arbeitskräftebedarfs für die Erreichung von Klimaneutralität im Jahr 2035 entfallen auf Berufsgruppen, in denen bereits heute ein Fachkräftemangel herrscht.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind geografisch nicht begrenzt, gleichsam setzt seine Bewältigung weltweites Agieren voraus. So haben unlängst die südniedersächsischen Kommunen begonnen, eigene Klimaschutzziele und -programme aufzusetzen, wie z.B. den Klimaplan Göttingen 2030 des regionalen Oberzentrums Göttingen. Um die beschlossene Klimaneutralität (z.B. Stadt Göttingen und Northeim bis 2030, Bund bis 2045, EU bis 2050) zu erreichen, bedarf es einer Vielzahl von vor allem bauli-cher Maßnahmen, die lokal umgesetzt werden, um eine globale Wirkung erzeugen zu können (umgekehrte „Glokalisierung“). Die entscheidende Engstelle ist der Mensch. Allein für die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Klimaschutzmaßnahmen werden schätzungsweise ca. 400.000 zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht. Unternehmen und Einrichtungen in Südniedersachsen brauchen für die Erreichung der Klimaschutzziele mehr sensibilisiertes und geschultes Fachpersonal. Es fehlen sowohl jene Arbeitskräfte, die konkrete bauliche Maßnahmen umsetzen, als auch jene, die mit Fachwissen aufklären, beraten, planen und Impulse zum Umdenken setzen. So ist ein deutlicher Überhang an offenen Stellen in Relation zu arbeitssuchenden Fach-kräften zu beobachten: z. B. Klempnerei und SHK: 28 Suchende auf 86 gemeldete Stellen; Tiefbau: 28 auf 68; Mechatronik, Energie und Elektroberufe: 128 auf 279.

Was sind Klimaberufe?

Eine einheitliche und klar abgrenzbare Definition des Begriffs existiert innerhalb der Fachwelt bisher nicht. Allgemeinhin sind damit jene Berufsgruppen gemeint, die direkt dazu beitragen Klimaschutz-Maßnahmen umzusetzen. Sie sind grob in den sieben Berufsfeldern zu identifizieren: Erneuerbare Energien (z.B. Anlagenmechaniker:innen, Elektroniker:innen, Dachdecker:innen), Umwelttechnik (z.B. Abwassertechniker:innen, Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft), Grüne Berufe (z.B. Forstwirt:in, Gärtner:in, Landwirt:in, Pflanzentechnolgin:e), Verpackungsindustrie (z.B. Packmitteltechnolgin:e), Kaufmännischer Bereich (z.B. Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen oder im Einzelhandel) sowie Bildung, Planung, Beratung und Verwaltung (z.B. Architekt:in, Berater:in, (Berufschul-)Lehrer:in, Stadtplaner:in).

Wozu diese Initiative?

Das Vorhaben stellt folgende drei Ziele in den Fokus:

  1. Erstens sollen regionale Unternehmen, Einrichtungen und potenzielle Arbeitskräfte für Klimaberufe sensibilisiert werden. Hierfür braucht es Aufklärungs-, Vermittlungs- und Beratungsangebote sowie geeignete Netzwerkstrukturen.
  2. Zweitens will das Projekt hiesigen Klimaberufen und Angeboten für die Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung zu mehr Sichtbarkeit und öffentlicher Wahrnehmung verhelfen. Im Zuge dessen sollen auch Entwicklungspotenziale bei regionalen Unternehmen und innerhalb der Bildungslandschaft identifiziert werden. Es gilt gleichsam zu prüfen welche Erwartungen und Bedarfe für eine erfolgreiche Anwerbung potenzieller Arbeitskräfte für Klimaberufe zu erfüllen sind.
  3. Drittens soll das Vorhaben dabei unterstützen konkrete Handlungsempfehlungen zu formulierten und ausgewählten Maßnahmen gezielt im Testbetrieb umzusetzen.

Was passiert als nächstes?

Es sind nun zunächst im Rahmen des Vorhabens einige (organisatorische) Fragen zu beantworten. Wer ist ins Projekt einzubinden? Wer sind relevante Netzwerke, interessierte Kooperationsunternehmen und welche Initiativen bestehen bereits? Welche Projekte-/Veranstaltungsformate sind anschlussfähig? Welche Maßnahmen für Fachkräftezuführung in Klimaberufe gibt es bereits in und außerhalb der Region? Gibt es best practices?

Darüber hinaus interessiert sich das Projektteam für einige Marketingaspekte. Hierbei gilt es zu klären: Was wollen/suchen klimabegeisterte Menschen und orientierungssuchende/ wechselbereite Menschen? Was bieten die Klimaberufe von dem, was gesucht wird?

Im Frühjahr 2024 soll eine öffentliche Veranstaltung als erster Meilenstein und wahrnehmbarer Kick-off stärker nach draußen treten. Wir werden berichten. Mehr zum Projekt lesen Sie hier.

Ansprechpartner:

Dr. Benjamin W. Schulze
Bereichsleitung Fachkräfte und Willkommenskultur
T. 0551/270713-43
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