BLOG: Fachkräfte Südniedersachsen

#13 Klischeefrei Potenziale nutzen

 

veröffentlicht am 04.03.2022; Autorinnen: Susanne Spellerberg und Anna Sonnenberg

Farbenkasten

Wir brauchen mehr Frauen in IT-Berufen.

Die IT-Branche ist immer noch männerdominiert. Das Projekt IT macht Schule 2.0 (ITmS 2.0) will deshalb besonders junge Frauen für eine Ausbildung in IT-Berufen begeistern. Auf den Geschmack sollen sie bereits durch ein Betriebs-Praktikum kommen. Wir bringen dafür SchülerInnen und Unternehmen zusammen. Was wir sonst noch alles im Projekt auf die Beine stellen, erzählen wir in diesem Beitrag.

IT barrierefrei – eine Herzensangelegenheit

Vom bundesweiten Fachkräftemangel im IT-Bereich sind die Region Südniedersachsen und die regionalen Unternehmen stark betroffen. Eine strategische Maßnahme gegen den Fachkräftemangel ist die frühzeitige Nachwuchswerbung und -gewinnung in den regionalen Schulen. Besonders in diesem Bereich leistet ITmS 2.0 mit gezielter Förderung einen Beitrag durch die Aktivierung des Fachkräftepotenzials von jungen Frauen. Die Nachwuchsgewinnung für diesen Bereich gestaltet sich jedoch schwierig, da die Diversität und Karrieremöglichkeiten des Berufsfeldes jungen Menschen häufig nicht bekannt sind und IT-Berufe mit hartnäckigen Vorurteilen sowie Stereotypen behaftet sind. Aus diesem Grund stellen wir zentrale Attraktivitätspunkte von Berufen in der Informations- und Kommunikationstechnologie insbesondere für die Zielgruppe der SchülerInnen heraus.

Im Vordergrund des Projektes steht auch dieses Jahr die Erhöhung des Anteils von jungen Frauen in IT-lastigen Berufen. Es lohnt sich für Firmen, mehr Frauen zu gewinnen: Diverse Teams arbeiten besser und rentabler. Denn Vielfältigkeit in Teams und in Unternehmen schafft einen Mehrwert in Bezug auf Ideenaustausch, Produktivität und Effizienz. ITmS verschreibt sich seit 2019 der Unterstützung von jungen Frauen bei ihren ersten Schritten in die IT-Welt, um ihnen die Faszination und Begeisterung für diesen Sektor aufzuzeigen. Auch die Unternehmen der Region profitieren von dem Projekt, da Gewinnung von Nachwuchskräften gezielt durch das Projekt vorangebracht wird.

Wenn auch Sie Partner von IT macht Schule 2.0 werden und von dem Projekt profitieren möchten, können Sie sich hier noch schnell anmelden.

Nur jede fünfte Person in der IT eine Frau – Time to move!

Das Problem beginnt bereits in der Schule, denn das Vorurteil, Mädchen/Frauen und IT würden nicht zusammen passen, hält sich hartnäckig. Es gibt jedoch ein Licht am Ende des Tunnels, denn Informatik wird ab 2023 ein Pflichtfach in Niedersachsens Schulen. Schluss mit den Stereotypen – Frauen können IT! Viele jungen Frauen befürchten beispielsweise eine Schülerin in der Berufsschule unter vielen Männern zu sein. Frauen aus der IT haben ganz häufig andere Erfahrungen gemacht: Sie unterstreichen, dass sie sich besonders gut in dem Pool aus Männern aufgehoben fühlten. Auch seitens der Lehrkräfte gab es keine Benachteiligung, was auch für ein gutes Lernklima der Berufsschulen im Bereich IT spricht. Außerdem fragen sich junge Frauen, inwiefern sie in ihrem späteren Beruf akzeptiert und respektiert werden. Hier geben Erfahrungsberichte von Frauen in der IT einen Einblick. Sie heben hervor, dass es insbesondere Kundinnen leichter fiel, sich bei technischen Fragen an Frauen zu wenden, da die Hürde bei Nachfragen niedriger ist, wenn auch das Gegenüber eine Frau ist. Herausgestellt wird von Frauen die Wirkungskraft von Aufklärungsarbeit für den Bereich IT in den Schulen und die Unterstützung als Mentorin, um weiterhin festverankerten Klischees entgegenzuwirken und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu unterstützen. Denn besonders wichtig sind weibliche Vorbilder.

Super miteinander zu vereinbaren: Familie und Beruf

Die Work-Life-Balance ist ein Faktor bei der Berufswahl, der immer wichtiger wird – unabhängig vom Geschlecht. Für die IT-Branche spricht die große Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Mehr als jede zweite Beschäftigte ist mit den Arbeitsbedingungen zufrieden – unabhängig davon, ob sie in einer festen Anstellung oder freiberuflich tätig ist. Ein Ländervorbild in Bezug auf Frauen in der IT ist Indien. Dort symbolisiert die Berufswahl eine Form der Emanzipation, sodass ein Drittel der Belegschaft in IT-Unternehmen weiblich ist. Frauen wollen sich auf dem Subkontinent mit Kenntnissen über Programmiersprachen aus der Abhängigkeit vom Einkommen ihres Mannes und dem Zwang befreien, in ihren Familien körperliche Schwerstarbeit leisten zu müssen. Ein Job in der IT ist nicht nur die Möglichkeit eigenes Geld zu verdienen, sondern ein Stück Freiheit für Frauen. Eins zeigen die Erfahrungsberichte ganz deutlich: Mädchen brauchen Vorbilder in den Schulen, in den Medien, im Alltag. Sie brauchen unterstützende Netzwerke und ein motivierendes Arbeitsumfeld, in dem auch Frauen gerne arbeiten. Es gilt: Selbstbewusstsein zu stärken! Endlich weg mit den Klischees und Vorurteilen!

Frauen können Technik. Zwei spannende Erfahrungsberichte von Frauen in der IT finden Sie hier:

  1. Wo bleibt ihr Mädels? Ein Artikel auf Deutschlandfunk Kultur aus dem Jahre 2016.
  2. Women in Tech – „Als Frau in der IT zu arbeiten, ist nichts Besonderes“ Ein Beitrag von 2017 auf der Seite Entwickler.de

Wir sammlen derzeit selbst Erfahrungsberichte ein,für das erste Halbjahr 2022. Sie werden insbesondere Diversität und Karrieremöglichkeiten des Berufsfeldes aufzeigen und helfen, die hartnäckigen Vorurteile sowie Stereotypen aufzubrechen.

Berufswahl als Klischee? – Klischeefrei glücklich werden!

Der Fokus von ITmS 2.0 liegt besonders auf dem Gegensteuern gegen das geschlechtsstereotypische Berufswahlverhalten junger Frauen als Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit in der Region und Steigerung der Attraktivität von MINT-Berufen. Denn die richtige Faszination für IT entwickelt sich mit dem Informatikunterricht in der Schule. Viele Frauen in der IT-Branche sind sich in diesem Punkt einig: die Schule hat große Wirkung, ein Interesse am Programmieren zu wecken und einen Einblick in das Berufsfeld zu geben. Junge Frauen erhalten durch ihre Teilnahme an ITmS Informationen und Eindrücke zu den Ausbildungen in der IT entweder direkt über das Praktikum oder bei unseren unterschiedlichen Veranstaltungen in den Schulen. Denn die Erfahrungen von Frauen in der IT zeigen zudem, dass gerade auch Informationsaktionen an den Schulen einen hohen Anteil an der Entscheidungsfindung für einen Beruf in der IT haben. Geschlechterstereotype spielen also auch heute noch eine große Rolle bei der Berufs- und Studienwahl. Dennoch sollten junge Menschen ermächtigt werden, Berufe zu finden, die zu ihren Interessen und Stärken passen – frei von Klischees und Geschlechterzuweisungen. Dies zu erreichen ist übrigens auch Ziel der Initiative Klischeefrei. Dieser bundesweite Zusammenschluss von Partnerorganisationen aus Bildung, Politik, Wirtschaft, Praxis und Wissenschaft stellt die Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees in den Vordergrund.

Zukunftstag in Südniedersachsen – IT for everyone

Am 28. April 2022 findet der „Zukunftstag“ als Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung im Bereich der IT-Nachwuchskräfte statt. Die teilnehmenden Unternehmen haben einen Tag lang die Möglichkeit  ihr Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber für die Zielgruppe SchülerInnen zu präsentieren. Der IT-Zukunftstag 2022 verfolgt die Ziele Interesse an der IT zu wecken sowie SchülerInnen mit Unternehmen zu vernetzen, um erste praktische Einblicke in den IT-Bereich zu geben. Der Zukunftstag in Unternehmen steht unter dem Motto der Nachwuchsbindung: Virtuell oder in Präsenz werden die Türen für SchülerInnen ab der 5. Klasse geöffnet. Wir arbeiten an unterschiedlichen Leitfäden und werden diese demnächst auf unserer Website zur Verfügung stellen.

Der Zukunftstag gibt SchülerInnen darüber hinaus die Chance, auch weiblichen Vorbildern in Führungspositionen aus der IT zu begegnen und sich vom Berufsfeld begeistern zu lassen – so können Potenziale optimal genutzt werden! Junge Frauen in Deutschland verfügen über eine besonders gute Schulbildung. Trotzdem wählt mehr als die Hälfte der Mädchen aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen ohne naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung. Damit schöpfen sie ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus und den Betrieben fehlt gerade in IT-Bereichen qualifizierter Nachwuchs. Der Zukunftstag ist ein spannender Tag mit positiven Auswirkungen sowohl für SchülerInnen als auch Unternehmen. Am diesem Tag gewinnen die Mädchen Einblicke in den Alltag der Betriebe und erproben ihre Fähigkeiten in Praxisaufgaben. Sie erhalten direkte Antworten auf ihre Fragen zu den Ausbildungen und können erste Kontakte knüpfen. Außerdem werden die Unternehmen auf die Stärken der Mädchen aufmerksam und können sich so neuen Zukunftsperspektiven eröffnen. Der Zukunftstag bietet deshalb viele Chancen für die Zukunft! Bei Interesse an einer Teilnahme melden Sie sich gerne jeder Zeit bei Susanne Spellerberg, ganz gleich ob Unternehmen, Schule oder SchülerIn. Weitere Informationen zum Projekt finden sich auch unter www.itms-sns.de.

Bleiben Sie gespannt und freuen Sie sich auf unsere nächsten Artikel.

Ansprechpartnerin:

Susanne Spellerberg
Projektmitarbeiterin IT macht Schule 2.0

T. 0551/270713-32
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