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#43 Deutschlands hausgemachter Fachkräftemangel – Mütter auf dem Arbeitsmarkt

veröffentlicht am 31.08.2022; Autor: Fabian Kriete

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Das Mütter nach ihrer Elternzeit wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden, ist unser gesellschaftlicher Anspruch. Die Realität zeigt hier jedoch eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine Studie von renommierten internationalen Forschenden zeigt, dass Mütter in Deutschland starke Einkommenseinbußen in Kauf nehmen müssen. Nicht nur in den ersten Jahren nach der Geburt, sondern auch langfristig. Selbst wenn die Kinder aus dem Haus sind, verdienen Frauen immer noch deutlich weniger als vor der Geburt des ersten Kindes und die entstandene Lücke wird in den seltensten Fällen wieder aufgeholt. Dieser soziale Missstand trägt in der Wissenschaft die Bezeichnung „Child Penalty“. Dieser Beitrag setzt sich damit auseinander. Es wirkt so als würden Frauen in Deutschland regelrecht auf dem Arbeitsmarkt dafür „bestraft“ werden, dass sie Kinder bekommen. Denn sie verdienen im ersten Jahr nach der Geburt durchschnittlich 80 Prozent weniger als vor der Geburt, zehn Jahre nach der Geburt sind es noch 61 Prozent. Väter hingegen, müssen für das Kinderkriegen keine messbaren Einkommenseinbußen in Kauf nehmen.

Deutschland ist Schlusslicht

Ist dieses Phänomen ein deutsches Problem? – die Studie von Kleven et al. (2019) porträtiert dies keinesfalls. Der Vergleich mit Schweden, Dänemark, Österreich, USA und dem Vereinigten Königreich liefert jedoch ein ernüchterndes Zeugnis für die Bundesrepublik. Deutschland landet bei langfristigen Gehaltseinbußen (zehn Jahre nach Geburt) auf dem letzten Platz.

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Quelle: Kleven, H., Landais, C., Posch, J., Steinhauer, A., & Zweimuller, J. (2019): Child penalties across countries: Evidence and explanations, in: AEA Papers and Proceedings, Vol. 109, S. 122-126.

Politische Lösungen oder gesellschaftliche Aufgabe?

Elternzeitregelungen und Kinderbetreuung sind, trotz naheliegender Vermutung, nicht Ursachen dieses Missstandes. Vielmehr sind es soziale Normen und die Inflexibilität des Arbeitsmarktes, die ursächlich sind für diese starke Ungleichheit. Studien zeigen eindrucksvoll, dass insbesondere konservative Rollenbilder die Child Penalty auslösen. Staatliche Interventionen, wie die Elternzeit für Väter, helfen gefestigte Rollenbilder gesamtgesellschaftlich zu hinterfragen. Aber auch eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes kann dazu beitragen, dass Mütter wieder ihrer Arbeit nachgehen können – ohne Einkommensverluste. Eine familienbewusste Führung, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit des mobilen Arbeitens sind Ansätze, die vermehrt in den Fokus genommen werden sollten. Politische Maßnahmen und gesellschaftliches Handeln sind notwendig um das Fachkräftepotenzial dieser Gruppe zu heben. Deshalb ist es wichtig, dass Projekte, die beispielsweise über das Fachkräftebündnis gefördert werden wollen, das EU-Querschnittsziel „Gleichstellung von Frauen und Männern“ stets berücksichtigen und ernsthaft verfolgen. Ebenso wichtig ist der Einsatz der zeilreichen zivilgesellschaftlichen AkteurInnen in Südniedersachsen, die mehr Gleichberechtigung fordern und damit fördern.

Interessiert am Thema Child Penalty? Den Link zur Studie finden Sie hier.

Ansprechpartner:

Fabian Kriete
Projektleitung Fachkräftebündnis Südniedersachsen
T. 0551/270713-42
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