Blog: ViridisH2 Südniedersachsen

#15 Klimaplan Göttingen 2030

veröffentlicht am 23.02.2021

Farbenkasten

Photovoltaik in Kombination mit Wasserstoff sollte auch im „Klimaplan Göttingen 2030“ eine zentrale Rolle spielen. Foto: Pixabay

Das Ziel Klimaneutralität 2050 und ihr Zwischenziel 2030 als Motivationstreiber für eine Etablierung eines grünen Energiesystems waren bereits mehrfach Thema in unseren vergangenen Beiträge (z.B. in #9, #5 oder #4) – und wird es künftig bestimmt eines bleiben. Wie EU und Bundesregierung hat sich jüngst auch die Stadt Göttingen das Ziel gesteckt, bis 2050 lokale Treibhausgasneutralität zu erreichen. Nach Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und anderen Institutionen war im Rahmen vom „Klimaplan Göttingen 2030“ auch unser WIR!-Bündnis eingeladen Zukunftsthemen, Umsetzungsmaßnahmen und Ideen vorzuschlagen. Eine Chance, die wir gerne genutzt haben. Unsere fünf Projektskizzen neben dem bereits laufenden „ViridisH2 Südniedersachsen“ wollen wir hier nun kurz vorstellen.

Grüner Wasserstoff für den ländlichen Raum

Konkret sammelt die Stadt Göttingen Projektideen für verschiedene Bereiche, wie zum Beispiel die Anpassung an den Klimawandel, nachhaltiges Leben, Bauen und Arbeiten sowie den Aufbau einer erneuerbaren Energieerzeugung und Mobilität. Insbesondere die letzten beiden überschneiden sich stark mit unserem Verbundsvorhaben, weswegen wir hier eine Möglichkeit sehen, mit unserem Projekt aktiv Einfluss auf Stadt und Region nehmen zu können. Insgesamt haben wir sechs Projektideen eingereicht, die grünen Wasserstoff als Energieträger der Zukunft stärker in den Fokus der Stadt rücken sollen. „ViridisH2 Südniedersachsen“ selbst geht der Frage nach, wie eine dezentrale grüne Wasserstoffwirtschaft von der Herstellung bis zum Verbrauch in der Region etabliert werden kann. Daraus abgeleitet ergeben sich Projektideen rund um lokale Produktion von erneuerbaren Energien und Wasserstoff sowie dessen lokalen Verwendung. So bietet es sich, aus unserer Sicht, an die vielen Agrarflächen in Südniedersachsen als bedeutendes Potenzial anzusehen und in die Stromerzeugung einzubinden. Denn durch die Verbindung mit hochgestellten Photovoltaikanlagen können einzelne Nutzflächen doppelt genutzt werden. Die agrarische Nutzung wird dadurch nach bisheriger Kenntnis nur wenig eingeschränkt. Während die Anlagen selbst Pflanzen vor der Witterung schützen, erhöhen sie doch im großen Maße den Anteil von erneuerbaren Energien in der Region bzw. dem Göttinger Stadtgebiet und ermöglichen die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Womöglich genau dort, wo er auch verbraucht werden könnte.

Hand in Hand mit der Region

Als Region stehen wir ebenso wie die Stadt Göttingen hinsichtlich Wasserstoff vor dem klassischen Henne-Ei-Problem: keine eigene Produktion bei gleichzeitig geringem Abwendungsinteresse. Bevor die Abnahme wirtschaftlicher Produktionsmengen von Wasserstoff durch den freien Markt, vornehmlich aus dem Mobilitätssegment heraus, garantiert ist, bedarf es einer Überbrückungsphase, in der der Überschuss andere Abnehmer findet. Diese erst ermöglichen den regionalen Einstieg in die Technologie. Hier kommt der Stadt Göttingen eine wichtige Rolle zu. Die Stadt bietet das Potenzial als Abnehmer von grünem Wasserstoff aufzutreten. Sie könnte die Abnahme-Lücke durch den Wasserstoff-Einsatz im Stadtgebiet bis zum gänzlichen Markthochlauf überbrücken und die Region beim Aufbau von Wasserstoff-Produktionsstätten aktiv unterstützen und auf den Weg bringen. Gleichzeitig können CO2-Emissionen eingespart werden und die Bevölkerung kann durch den Einsatz des Wasserstoffs in der Stadt die Vorteile der neuen Technologie direkt erleben.

Im Bereich der Mobilität wird Wasserstoff als langfristiges Mittel für die Klimazielerreichung vorangetrieben. Die Vorteile von Brennstoffzellen-Fahrzeugen (abgekürzt BZ-Fahrzeuge) wiegen schwer: Lokal würden weniger Treibhausgase in die Luft geblasen werden und gleichzeitig erlauben diese hohen Reichweiten auch für – schwere Fahrzeuge. Insbesondere für den Busverkehr und den Straßengüterverkehr sind BZ-Fahrzeuge deshalb attraktiv. In diesem Rahmen können BZ-Fahrzeuge auch dazu beitragen, zu erwartende gesetzliche Vorgaben bzw. Verordnungen für emissionsarmen Verkehr (siehe etwa die Clean-Vehicle-Richtlinie von EU bzw. Bundesregierung) kostengünstig zu erfüllen. Um diese Chancen und die aktuell vorhandenen hohen Fördermittel des Landes und Bundes auch in Südniedersachsen zu nutzen, könnte die Stadt Göttingen in diesem Bereich aktiv werden und Infrastrukturaufbau und Pilotierung von Wasserstoffmobilität (insbesondere im Busverkehr) unterstützen und initiieren. Dabei könnte das Projekt an die bisherigen Bemühungen der Stadt Göttingen rund um den Einsatz batterieelektrischer Fahrzeuge anknüpfen und durch hohe Fahrzeugreichweiten und kurze Betankungszeiten der BZ-Fahrzeuge die klimafreundliche Mobilität weiter vorantreiben.

Verstärkung durch überregionale Vernetzung

Im Zuge der Norddeutschen Wasserstoffstrategie hat unsere Region die Chance sich zu einem H2-Cluster weiterzuentwickeln. Die SüdniedersachsenStiftung beabsichtigt in Ergänzung zum Niedersächsischen Wasserstoffnetzwerk eine koordinierende regionale Netzwerkstelle zu etablieren. Im Rahmen des Projektes „ViridisH2 Südniedersachsen“ hat die Stiftung bereits gemeinsam mit ihren Verbundpartnern ein solches Netzwerk aufgebaut, das es von der spezifischen Projektarbeit zu etablieren und mit entsprechenden Mitteln für Maßnahmen zur Netzwerkpflege, -koordination und -erweiterung auszustatten gilt. Somit können vorhandene Kenntnisse und Kompetenzen gebündelt und effizient genutzt werden.

Darüber hinaus könnte die Stadt Göttingen diese Kompetenzbündelung in das von unserem WIR!-Bündnis mit unterstütztem Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie Niedersachsen einbringen, sodass andere Regionen von dem Wissen langfristig profitieren. Gleichzeitig können eigene Wissenslücken geschlossen, verbessert und starke Kompetenzen miteinander verbunden werden. Durch den Aufbau einer überregionalen Allianz von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft mit Sitz in Braunschweig und Salzgitter erhält Südniedersachsen Zugang zu bestehenden Institutionen und den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Wasserstofftechnologien.

Win-Win-Situation für die Stadt und unser WIR!-Bündnis

Für uns steht fest: Wasserstoff gewinnt mehr und mehr an Popularität und Potenzial als Energieträger der Zukunft. Insgesamt 745 Ideen von unterschiedlichen Gruppen sind bei der Stadt eingegangen. Das Thema Klimawende ist in aller Munde. Und Wasserstoff wird hierbei eine zentrale Rolle übernehmen. Nun gilt es über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und die gebotenen Chancen zum Mitwirken zu nutzen. Denn je mehr Hände mitanpacken, desto wahrscheinlicher wird die Zielerreichung der Klimaneutralität. Umso besser, wenn alle Seiten von der Zusammenarbeit profitieren!

Ansprechpartner:

Dr. Benjamin Schulze
Projektleiter ViridisH2 Südniedersachsen

T. 0551/39-21755
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